Panoramafotografie

On 8. März 2011 by Panoramafotos

Der Begriff Panorama

Panoramafoto: Kirche St. Marien - Behnitz - Spandau

Panoramafoto: Kirche St. Marien - Behnitz - Spandau

Der Begriff Panorama leitet sich aus den griechischen Wörtern für “alles, ganz” und “sehen” ab. Damit wäre also der gesamte Raum um uns herum gemeint. Weder der Mensch, noch ein “normales” Foto kann diese Kugel wahrnehmen oder abbilden. Für einen Rundblick müssten wir uns praktischerweise im Kreis drehen.

Schon bevor es die Fotografie oder das Kino gab, wurden riesige Gemälde geschaffen, die an den Innenseiten eines zylindrischen Raumes zu bewundern waren. Schlachten oder Stadtansichten lockten die Menschen Scharen heran.

Panoramafotografien sind im Regelfall Bilder, die mehr auf einem Foto zeigen, als der Mensch normalerweise mit einem Blick (seinem Gesichtsfeld) erfassen kann. Zusätzlich zeichnen sie sich durch ein Seitenverhältnis aus, welches vom üblichen Foto abweicht. Während aus analogen Zeiten noch 3:2 als Seitenverhältnis geläufig ist, hat sich in unserem digitalen Zeitalter 4:3 als Standard herauskristallisiert.

Panoramabilder weichen von diesem Seitenverhältnis merkbar ab. Schon ab einem Seitenverhältnis von 2:1 werden Bilder als spannend empfunden, weil sie von der “üblichen” Sehweise abweichen. Aus praktischen Gründen habe ich mich für ein Seitenverhältnis von 3:1 entschieden.

Der Mensch kann mit beiden Augen zusammen etwa ein Gesichtsfeld von 180 Grad, also einen Halbkreis wahrnehmen. Ein Auge allein erblickt nur noch 150 Grad. Nur im Überschneidungsbereich der beiden Gesichtsfelder (120 Grad)  ist dreidimensionales Sehen möglich.

Schauen wir uns das klassische Kleinbildformat in der Fotografie an und legen ein sogenanntes “Normalobjektiv”, also eine Brennweite von etwa 50 mm zugrunde,  ergibt sich dabei ein horizontaler Bildwinkel von 39,6 Grad, ein vertikaler Bildwinkel von 27 Grad und ein diagonaler Bildwinkel von etwa 46, Grad.

Ein klassisches Foto zeigt also nur einen Ausschnitt der Welt.

 

Die Panoramafotografie

Panoramafotos können mit Hilfe spezieller Kameras als einzelnes Bild erstellt werden. Dabei gibt es bewegliche Systeme, bei denen sich entweder das Objektiv oder ein Spalt bewegt, um ein fertiges Bild zu belichten. Manche Kameras bewegen sich selbst im Kreis und erzeugen so ein 360-Grad-Foto. Andere Panorama-Kameras belichten einfach eine größere Fläche des Filmes. So passen dann natürlich nicht mehr 36 Aufnahmen auf den Film, sondern entsprechend weniger. Heute geschieht auch dies zunehmend digital.

In Analogen Zeiten wollten Kamera- und Filmindustrie den schwindenden Verkauf preiswerter Kameras ankurbeln, indem sie “Panorama-Kameras” für das Kleinbild-Format auf den Markt brachten. Dabei bekam der Kunde für mehr Geld weniger geliefert. Ein Panorama wurde erzeugt, indem einfach oben und unten etwas vom Motiv abgeschnitten wurde. So kann es auch gehen.

Viele fotografieren ihre Panorama-Bilder, indem sie aus der Hand fotografieren und die fertigen Fotos im Fotoalbum als Kollage zusammenkleben. Einige digitale Kameras bieten über das Display die Möglichkeit, mehrere Bilder überlappend zu fotografieren. Aus einer handvoll Bilder entsteht dann automatisch ein kleines Panoramabild.

Die Montage vieler Einzelaufnahmen zu einem endgültigen Bild dürfte heute der üblicherweise begangene Weg sein, um ein Panoramabild zu erzeugen. Dies geschieht heute nicht mehr per Hand für das Fotoalbum, sondern am Computer. Für diesen Montagevorgang greift man auf spezialisierte Software zurück, die das “Nähen – Stitchen” übernimmt. Im Prinzip ist der Vorgang selbst nicht besonders geheimnisvoll, oder kompliziert in der Durchführung. Panorama-Software wird immer besser und kann heute Bilder montieren, die vor ein paar Jahren im Mülleimer gelandet wären. Mit entsprechendem Werkzeug kann man mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem ansprechenden Ergebnis kommen.

Panorama-Fotos kann man einreihig oder mehrreihig erstellen. Je nach Objektiv und Brennweite wird beim Fotografieren nur ein Teil dessen erfasst, was abgebildet werden soll.

Während einer Aufnahmeserie darf sich an den fotografischen Bedingungen nichts verändern. Weder dürfen Menschen oder Tiere durchs Bild wandern (sie würden dann mehrfach abgebildet), noch sich die Lichtbedingungen ändern. Schon ein einzelnes misslungenes Bild kann die gesamte Serie unbrauchbar machen. Viele immer wiederkehrende Besuche der einzelnen Orte können notwendig sein, um zu einem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Dazu kommen dann noch langwierige Berechnungen der Fotos am Computer. Ein Quentchen Glück ist bei der Poramafotografie nicht zu verachten …

Faszination Panoramabilder

Panoramafotografien, bei denen 360 Grad, also der vollständige Kreis in einem zweidimensionalen Bild “abgerollt” wird, erhalten eine ganz eigenartige Faszination. Die Wirklichkeit verändert sich scheinbar, weil wir nun zusätzlich mit unserem Blick etwas erfassen, was sonst hinter unserem Rücken liegt.

Fotografieren wir eine Kreuzung, scheinen plötzlich alle Wege – fast parallel – in eine einzige Richtung zu streben. Beide Ufer eines Flusses scheinen auf einer Linie zu liegen.Selbst eine Umgebung, die uns scheinbar vertraut war, lässt uns grübeln. Bei Aufnahmen mit einem Weitwinkel-Objektiv wird naturgemäß der Vordergrund stärker betont. Dieser Effekt tritt bei einer Panorama-Aufnahme noch stärker in Erscheinung.

Tipps

  • Prinzipiell ist es gleichgültig, mit welcher Kamera fotografiert wird.
  • Aufnahmen sollten in der Regel im Hochformat aufgenommen werden, damit mehr von der Höhe erfasst wird.
  • Einzelne Aufnahmen sollte sich zu einem Drittel überlappen, damit die Stitching-Software problemlos arbeiten kann. So ergeben sich bei 10 mm Brennweite im Vollformat (16 mm bei Crop) 12 Einzelbilder für eine 360-Grad-Aufnahme.
  • Soll nur für das Internet fotografiert werden, genügen mit einem extremen Weitwinkel-Objektiv u. U. zwei Aufnahmen, um das komplette Umfeld abzubilden. Sollen die Ergebnisse dagegen großformatig gedruckt werden,
  • Immer mit manueller Schärfe-Einstellung arbeiten. Sonst kann es Schwierigkeiten bei der Montage geben.
  • Die Blende sollte fest eingestellt werden, um unterschiedliche Schärfentiefebereiche in den zu überlappenden Bildern zu vermeiden.
  • Am besten vom Stativ fotografieren, um eine gleichmäßige horizontale Drehung zu erreichen.
  • Das Stativ sollte mit einer Wasserwaage ausgerichtet werden. Manche haben dazu eine kleine “Libelle” eingebaut.
  • Um das Rauschen zu minimieren empfiehlt sich ein kleiner ISO-Wert. Im Dunkeln ist ein gesunder Kompromiss zu finden.
  • Wenn möglich, sollte im RAW-Format fotografiert werden, um später mehr “Spiel” in der Nachbearbeitung zu haben.
  • Erfolgen die Aufnahmen nicht im RAW-Format, dann ist ein fester Wert für den Weißabgleich einzustellen, der für alle Bilder gilt.
  • Früher musste man im Uhrzeigersinn fotografieren, weil die Software die Bilder nur so bearbeiten konnte. Heute ist es meist unerheblich.
  • Fotografieren Sie Belichtungsreihen, um bei größeren Helligkeitsunterschieden eine Alternative zu haben. Die Belichtungsreihen können aber auch die Grundlage für HDR-Aufnahmen sein. Dabei werden die Bilder einer Belichtungsreihe zusammengerechnet und die “optimalen” Belichtungswerte ausgewählt. Damit ist ein höherer Kontrastumfang zu bewältigen.
  • Bewegte Motive sind zu vermeiden, wenn sie nicht bewusst mehrfach im Bild auftauchen sollen.
  • Bei längeren Belichtungszeiten nicht mehr per Hand, sondern über den Fernauslöser oder Selbstauslöser  auslösen, um ein Verwackeln zu vermeiden.
  • In der Kombination von mehrreihigen Panoramen mit Belichtungsreihen kommen schnell 72 und mehr einzelne Aufnahmen zustande. Ältere und einfache Kameras benötigen relativ viel Zeit um ein Bild aus dem Arbeitsspeicher auf den Speicher-Chip zu schreiben. Für ein vollständiges Panorama müssen Sie u. U. mit viel Zeit für eine Umdrehung rechnen. Jegliche Veränderung der Lichtverhältnisse und der Farbtemperatur können Schwierigkeiten aufwerfen. Ein vormals unbelebter Ort kann schneller zum längeren Versammlungsplatz für viele Menschen werden, als sie denken.

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